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Umnutzung Industriegebäude
als Veranstaltungsort

Gesamtkonzeption
in Zusammenarbeit mit
KunstRäume Leipzig e.V.

Veranstaltungen:
12.-14. November 2004

Gäste: 250 Personen

Projekt realisiert

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Dauer: 6,5 Minuten

Geleitwort

Seit mehreren Jahren gelingt es der Initiativgruppe "KunstRäume Leipzig e.V." immer wieder neu, unterschiedlichsten ungenutzten Räumen und Orten in und um Leipzig frisches Leben einzuhauchen. Durch die Aktionen des Vereins rücken sie wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit dem neuen Projekt "Rasender Stillstand" steht dieses Mal die Lokhalle II im Blickpunkt. Der Lokschuppen ist inzwischen ein historischer Ort und befindet sich nahe des Leipziger Hauptbahnhofes. Schienenverkehr ist heute so konzipiert, dass Wartungszeiten ohne feste Ortsbindung in den Ablauf der Betriebszeiten integriert sind. Die Aus-Zeit, die Ruhepause einer Lok in einem Schuppen steht für ein Verkehrskonzept, das Mobilität und Erreichbarkeit technische Grenzen setzte, aber inzwischen überholt ist. Der gesamte Lebensablauf des Menschen unterliegt heute einer Dynamik, die mit der von High-Speed-Zügen korrespondiert. Zeitökonomie und Kurzfristigkeit rastern nicht nur das öffentliche Leben und die Welt der Arbeit, sie strukturieren zunehmend auch die Frei-Zeit. Vor diesem Hintergrund gerät manchen das Steuer der Lebensabläufe immer mehr aus den Händen.

Das Projekt "Sound Train" lud Interessierte zu einer außergewöhnlichen Bildungsreise ein. Reiseziel war ein stillgelegter Lokschuppen unweit des Leipziger Hauptbahnhofes. Die 1905/06 als Umstell- und Wartungsschuppen gebaute und inzwischen ausgediente Lokhalle II mit ihrer gelben Backsteinfassade und ihrem Pendant auf der gegenüberliegenden Seite faszinierte als Aufführungsort besonders wegen der Dynamik des Raumes.

Der britische Szene-Komponist und Musikproduzent Scanner webte dazu einen elektronischen Klangteppich aus der Geräuschwelt des Eisenbahnverkehrs, auf dem sich eine spannende Kinofiktion Maix Mayers entspann. Projektionshintergrund bildete die realistische Welt der vorbeifahrenden Züge. Die Züge strömten durch die Leinwand. Kunst und Wirklichkeit flossen ineinander.

Der Transport von Waren, Menschen und Ideen rund um den Globus in immer kürzer werdenden Zeitfrequenzen forciert jedoch nicht eine ebenso zunehmende mentale Offenheit mit entsprechenden gedanklichen Abläufen und Ad-hoc-Entscheidungsvermögen. Die Dynamisierung des Lebens wird von vielen als bedrohender Wirbel erfahren. Das Gefühl des Ausgesetztseins produziert vielerlei Formen der Verweigerung. Beim "Tuning" von Ideen und Lebensentwürfen, das für den rasenden Lebenszug erforderlich scheint, geht eine wesentliche Lebensqualität verloren: im Innehalten mit den eigenen Gedanken auf Reisen zu gehen, im Anhalten neue Horizonte zu erkunden. Der "Rasende Stillstand" ist Thema der künstlerischen Arbeit von Maix Mayer und Robin Rimbaud. Ihr Konzept sieht Folgendes vor: An einem Bahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofes wartet ein Zug, der das Publikum zum Lokschuppen II bringt. Hier angekommen, werden sie ins Innere des Rundbaus geleitet. Dort stehen historische Lokomotiven. Sie scheinen aus ihrer musealen Präsenz aufbrechen zu wollen. Die Scheinwerfer sind aufgeblendet, die Dieselmotoren laufen. Die Vibrationen der Motoren sind körperlich erfahrbar. Der Schuppen vibriert und die Zuschauer befinden sich zwischen den stählernen Kolossen mit ihren strahlenden Scheinwerferaugenpaaren. Dann gehen die Rolltore auf. Dieser plötzliche Ausblick hat etwas Befreiendes.

Die Besucher nehmen an den offenen Toren Platz. Es setzt der Sound Train ein, der aus der Tiefe des Bodens in den Raum dringt. Robin Rimbaud, genannt Scanner, hat einen elektronischen Klangteppich konzipiert, der die Geräuschwelt des Eisenbahnverkehrs aufnimmt. Auf der Drehscheibe vor dem Lokschuppen ist eine Kinoleinwand installiert. Dort wird Maix Mayers Film ablaufen, der Bilder aus der Filmgeschichte zum Thema "Zug" verarbeitet, Passionen aus der Welt der Modelleisenbahn einblendet und der Eigensinnigkeit der Maschinenwelt ihren Lauf lässt. Der Zug als dramatische Handlungsebene wird verschränkt mit Reisesehnsüchten im überschaubaren Maßstab der eigenen vier Wände, aber auch mit physikalischen Kräften, die aus einem Führerhaus nicht mehr zu steuern sind. Die narrative Struktur des Films ist offen, so dass sich eigene Gedankenbilder einfügen lassen. Die simulierte Kinofiktion geht immer wieder über in die realistische Welt der vorbeifahrenden Zu?ge im Projektionshintergrund. Nach etwa einer halben Stunde ist das Ziel erreicht, dann kann auf dem Nachhauseweg die visuelle und auditive Reise gedanklich fortgesetzt werden.

Dr. Hans-Werner Schmidt
Direktor Museum der bildenden Künste Leipzig


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Lokhalle 2

Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich Leipzig durch die Industrialisierung maßgeblich. Schienen wurden verlegt, Verlade- und Packhöfe, Fabriken und Arbeitersiedlungen entstanden vor allem in Plagwitz, der Handel blühte und die Passagen machten Leipzig zum "Klein-Paris". Nicht mehr nur Prachtbauten, sondern auch Fabrikgebäude wurden zur Herausforderung für Bauingenieure und Architekten. So entstand z.B. der repräsentative Leipziger Hauptbahnhof, der größte Kopfbahnhof Europas. Auch Bahnhofsnebenanlagen wie die Lokhalle II mit ihrer gelben Backsteinfassade sind ein Beispiel der Ausläufer der Industrialisierung. Die Halle wurde 1905/06 als Umstell- und Wartungsschuppen gebaut und konnte etwa 30 Lokomotiven des Lasten- und Personenverkehrs aufnehmen. Die beiden Rundschuppen kann man noch immer über zwei 20-Meter-Drehscheiben bedienen und so die Loks in die entsprechende Fahrtrichtung führen. Im Zuge der Modernisierung der Bahn hat ein Teil dieser Industrieanlage seine Funktion verloren. Die Lokhalle II wurde außer Betrieb genommen.


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ROBIN RIMBAUD

Der Brite Robin Rimbaud, alias Scanner, kreiert vielschichtige Klanglandschaften. Er eruiert und sondiert technische Geräusche, die er auf unkonventionelle Weise verfremdet, angefangen von der Verarbeitung anonymer Mobilfunkgespräche bis hin zur Konzentration auf modernen Großstadtlärm. Die Geräusche interpretiert er als Symbol versteckter Bedeutungen und verpasster Begegnungen. Seine experimentellen Arbeiten haben ihm internationale Anerkennung u.a. von der Künstlerin Björk, und dem Komponisten Stockhausen eingetragen. Scanner arbeitet mit führenden Künstlern aller Genres zusammen, so mit den Musikern Brian Ferry , Laurie Anderson, mit den Tanzcompagnies Royal Ballett und Random Dance Company, mit den Komponisten Michael Nyman und Luc Ferrari sowie mit den Künstlern Mike Kelley und Derek Jarman. Neben der Komposition von Filmmusiken veranstaltet Scanner auch Performances, Radioproduktionen und Intermedia-Installationen. Seine Arbeiten konnte man in den USA, im Pariser Centre Pompidou und vor allem in London (Tate Modern, Royal Opera House, Corcoran Gallery) erleben.


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MAIX MAYER

Maix Mayer lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig. An der academy of visual arts der HGB Leipzig erwarb er auch sein Diplom in Bildender Kunst. Seine künstlerischen Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von bildender Kunst, Film, Architektur und öffentlichem Raum. In seiner letzten Exposition "Hanoi" z.B. zeigt er fotografische und filmische Arbeiten einer "idealen Stadt". Der Künstler erhielt verschiedene Arbeitsstipendien, z.B. das Karl-Schmidt-Rottluff Stipendium und ein Stipendium der Günther-Peill-Stiftung. Außerdem konnte er sich als Stipendiat im Schloss Wiepersdorf, der Villa Massimo, in Frankfurt/Main, im Künstlerhaus Selk und im Schloss Rödershof aufhalten. Maix Mayer ist Preisträger zahlreicher Kunstwettbewerbe: 1991 den Preis der Vordemberge-Gildewartstiftung, 1994 den Preis "Fotografie als Kunst" der Sparkasse Pforzheim, 1999 den Preis "Kunst für den Bundesrat", 2001/2002 den Preis "Kunstfenster Neue Medien". In diesem Jahr hat er mit der Arbeit "matrix" den nationalen Wettbewerb "Sport und Kunst" in der Kategorie Grafik/Malerei gewonnen. Er vertritt damit die Bundesrepublik Deutschland beim internationalen Wettbewerb des IOC in Lausanne. Mayers Arbeiten wurden bereits in Paris, Brüssel, Köln, Tokio, Los Angeles, Berlin und Neuseeland gezeigt. Enge Kontakte hat der Künstler zur Galerie Eigen & Art.


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Projektbeschreibung

Leipzig ist eine Reise wert. Das wusste nicht nur Goethe, der sich sein Kleinparis lobte, weil er hier studierte und seine ersten Lebenserfahrungen sammelte. Das wussten bereits Leibniz, Gottsched, Bach und noch einige andere berühmte "Leipziger-auf-Zeit". Leipzig ist auch unterwegs, sozusagen auf Reisen. Und dies hat nicht nur mit der alten und neuen Tradition als Handels- und Messestadt zu tun. Auch nicht mit dem bevorstehenden Ausbau des Straßen- und Schienennetzes, um Leipzig olympiareif zu machen.

Glaubt man der Wissenschaft, so wird "reisen" aus etymologischer Sicht übersetzt mit im Aufbruch sein und sich erheben, womit Leipzig im Herbst 1989 ja bekanntermaßen ernst machte. Mit dem Projekt "Rasender Stillstand" möchte der Verein Kunsträume Leipzig e.V. sich wieder auf den Weg zu neuen unbetretenen Ufern vorwagen. Allerdings haben diese Ufer nichts mit dem gefluteten Tagebaugebiet Cospudener See und seinem Freizeit-Park Belantis zu tun. Die neuen Ufer sind vielmehr alte Schwellen, genauer gesagt, ein großer, ausgedienter Lokschuppen nahe des berühmten Leipziger Kopfbahnhofes und inzwischen Konsumpalastes. Dem "Industriedenkmal in spe" soll für ein paar Abende im Sommer 2004 auf ganz neue Art und Weise künstlerisch Gestalt gegeben werden.

Im Folgenden sollen einige Aspekte dargestellt werden, die bei der künstlerischen und reflektierten Auseinandersetzung mit diesem besonderen Ort Bedeutung erlangen. Die Reihenfolge der Aufzählung ist dabei nicht gleichzusetzen mit einer bestimmten Relevanz-Rangfolge.


- Aspekt: Dromologie

Wie der Titel "Rasender Stillstand" bereits andeutet, handelt es sich in der Auseinandersetzung mit dem Ort "Lokschuppen II" darum, die Paradoxie zu thematisieren, die sich einstellt, wenn man bedenkt, dass unser Leben immer schneller abläuft, wir Menschen mehr denn je unterwegs sind, aber in Anbetracht von Krieg und Elend nicht so recht voranzukommen scheinen, sozial und zwischenmenschlich sozusagen auf der Stelle treten.

Wenn man reisen und unterwegs sein hört, mag man gleich an global village und Privatjets denken. Die zunehmende Mobilität trifft aber nicht nur auf die oberen Zehntausend zu, sondern auch auf die vielen Werktätigen, die täglich zwischen Arbeits- und Wohnort pendeln oder im Urlaub ins Ausland fahren. Die Züge, die die Menschen transportieren, werden immer schneller. Sie werden komfortabler. Fortbewegung wird auch teurer. Der gesamte Lebensrhythmus hat sozusagen einen Zahn zugelegt. Er wird rasant. Der postmoderne Philosoph, Architekt und Medientheoretiker Paul Virilio hat dies Dromologie genannt. Das Leben scheint vorbei zu rasen wie ein High-Speed-Zug. Und wie die Trägheit unserer Augen im Kinofilm, so läuft der Lebensfilm in Frequenzen ab, die letztlich ein stilles Bild ergeben. Stillstand. Rien ne va plus. Alles gehört, alles gesehen. Die Geschwindigkeit erzeugt eine räumliche Leere, die die Bedingung weiterer Beschleunigung wird. Die Herbeiführung einer globalen Jetztzeit wird zum Signum des 20. Jahrhunderts.


- Aspekt: Die innere Reise

Nichts ist für kleine Jungen und auch für größere so faszinierend wie die (Modell)Eisenbahn. Seit der ersten Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth 1836 bis heute haben sich Design und Tempo enorm geändert. Als eine der größten Erfindungen des 19. Jahrhunderts hat die Eisenbahn das Leben dynamisiert und die Industrie angekurbelt. Doch wie damals die ländliche Bevölkerung im ersten Moment überfordert war, mit den Errungenschaften der Technik umzugehen, so bringt der ach so vertraute "Rasende Stillstand" nichts wirklich Neues mehr. Wir lassen uns passiv an Orte transportieren, die sich im Grunde mehr oder weniger ähneln. Auch die Menschen scheinen sich an diesen immer gleichen Orten immer mehr zu ähneln. Die Eisenbahn, die Siegfried Lenz' noch als Novität und stählernes Ungeheuer, dem nicht zu trauen ist, beschrieb, wandelte sich bis heute zunehmend zu etwas Selbstverständlichen und Normalen. Wirklich spannend - und darauf will auch unser Projekt aufmerksam machen - bleiben eigentlich nur die inneren Reisen. Dies können Reisen sein der Phantasie, der Musik, der Poetik des gestalterischen Erlebens... Das Projekt versucht die Zuschauer auf eine solche innere Reise mitzunehmen.


- Aspekt: Akkuratesse

Ein Phänomen, das mit Industrialisierung und Gleichschaltung von Menschen zusammenhängt, ist die zunehmende Pünktlichkeit der Menschen in den westlichen Ländern. Die Einhaltung genauer Zeiten spielt nicht nur in der Arbeitswelt eine große Rolle, sondern diffundiert immer mehr in Bereiche der freien Zeiteinteilung. Termine mit der Lehrerin des Sohnes, Termin beim Friseur, Termin mit der Autowerkstatt, Termin mit dem Freund und der Frau, Terminieren des Wachseins und Schlafens. Wie mit dieser zeitlichen Selbstnormierung des Alltagsbereiches Erlebnisse immer mehr zu Fakten und Terminen verkümmern, lässt sich z.B. in Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" studieren. Dieser Verkümmerung des eigentlichen Erlebnisses mit einer ganz subjektiven Dauer folgt auf dem Fuß eine Degeneration und Blasiertheit der Gefühlswelt. Wie differenziert nehmen wir denn noch Ereignisse, Stimmungen, den anderen wahr? - Musik ist allgemein hin das Medium, das am besten Gefühle wecken, Emotionen steuern, Gefühlspanzer knacken kann. Dies kann jeder im Kinofilm nachprüfen. Das zunehmende Stumpfwerden unserer Sinne im Stechuhr geführten rasanten Stillstand etwas aufzuhalten und die zeitliche, räumliche und emotionale Vielfalt der ästhetischen Erfahrungen auszukundschaften, ist deshalb Ziel des Projektes.


- Aspekt: Individualität und Gemeinschaft

Im Zeitalter der Medien, der Flachbildschirme, Videos und Computerspiele muss man sich nicht mehr Geschichten erzählen, um die Stille zu durchbrechen. Im Gegenteil: Geräuschkulisse gibt es mehr denn je. Jeder darf, ja jeder muss sogar Individualist sein. Dies zu sein, hat gute und schlechte Seiten. Was dem einen autonome Selbstbestimmung ist, bedeutet für den anderen soziale Einsamkeit. Der enorme Individualitätsdruck in Deutschland drückt sich zum Beispiel in der Zunahme von Kinderlosigkeit und Singledasein aus. Dies hat Gründe: nicht nur Steuervorteile, sondern befreit zudem von Anpassungsleistungen, von Zeitaufwendung, von Pflegebelastungen, von Inanspruchnahme und möglichen Konflikten. Das Projekt soll nicht nur ein subjektives Kunsterlebnis bleiben, sondern durch interaktive Teilnahme des Publikums wird der Besuch der Veranstaltung zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis, über das sich nicht nur ausgetauscht wird, sondern in das man auch einbezogen ist und damit eine gewisse therapeutische Wirkung erhält. Gemeinsam eine Erfahrung zu machen setzt voraus, miteinander zu kooperieren.


- Aspekt: Erinnerung und Geschichte

Das Projekt kann gleichzeitig mehrere ganz unterschiedliche Geschichten vor Augen führen. Zum einen wird kunstvoll mit der Geschichte der Fortbewegungsmittel und -techniken gespielt, ebenso aber auch mit der Geschichte unserer Seh- und Hörgewohnheiten. Es wird erfahrbar, wie Phantasie wesentlich von Emotionen begleitet wird, die an Wahrnehmungsweisen und bestimmte Ästhetiken gebunden sind. Das Erinnern von Gesehenem und Gehörtem, zumal wenn es narrativ strukturiert und mitgeteilt wird, ist konstitutiver Bestandteil unserer Identitätsbildung und damit des menschlichen Weltbezuges. Diese Einsicht zu transportieren, hat ein Kunstprojekt wesentlich eindringlichere, sensiblere und subtilere Mittel als jeder theoretische Text.


- Aspekt: Lokschuppen

Lokschuppen haben heutzutage ausgedient. Züge werden so gebaut und gewartet, dass sie permanent im Einsatz sein können. Damit erübrigen sich in der Regel Lokschuppen. Das gleiche passiert - wie wir wissen - auch mit vielen Waren des täglichen Bedarfs, deren eigentlicher "Lagerplatz" heutzutage die Autobahn ist. Das Projekt wird die Entwicklung und Geschichte des Lokschuppens mit in die künstlerische Umsetzung einbeziehen. Gespräche laufen dabei mit den Mitarbeitern der DB.


- Aspekt: Künstlerische Idee

Verschiedene künstlerische Motive, die sich beim Thema "Rasender Stillstand" anbieten, können sehr gut in auditive und visuelle Szenarien umgesetzt werden. Die verschiedenen "Hörer-Positionen", die durch die Zuschauer in ihrer eigenen Bewegung eingenommen und gesteuert werden, können z.B. durch eine Mehrkanal-Audio-Performance vervielfacht werden. So ist es möglich, eine soundimmanente Dynamik zu erzeugen und verschiedene Soundcapes innerhalb des gesamten Hörerlebnisses zu erzielen.

Innerhalb des Projektes spielen solche Stichworte wie Transport, Bewegung, Dynamik im Kontrast zu Ruhe, Stillstand, Gebundenheit eine Rolle. Angedacht ist eine "Dynamik des Auditoriums", um den inhaltlichen Bezug zum beweglichen Medium Zug sowie zum Thema Fahren und Transportieren herzustellen. Spezifische Teile des Gebäudes, zum Beispiel die großen Rolltore, können ebenso in die Licht-und Musik-Performance Eingang finden wie die noch funktionstüchtige Drehscheibe. Das Vorbeifahren der realen Züge im Hintergrund bricht die inszenierte fiktive Grundstimmung.
Die Überlegungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen.

Leipzig ist eine Reise wert. Eine rasende oder eine stille. Sie haben keine Wahl.

Bettina Kremberg, KunstRäume Leipzig e. V. im März 2004


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