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Umnutzung Industriegelände
als Veranstaltungsort

Gesamtkonzeption
in Zusammenarbeit mit
KunstRäume Leipzig e.V.
und solitaire FACTORY

Veranstaltung: 9. September 2000

Gäste: 2000 Personen

Projekt realisiert

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Aufzeichnung vom 09.09.2000
20:00 Uhr, Solitaire Factory
Videoschnitt: Axel Töpfer, Leipzig

Dauer: 4,5 Minuten

Zum Geleit...

"Ehrfurcht flößt der stählerne Koloss im Tagebau Zwenkau ein. Obwohl
längst ausgedient, symbolisiert seine stille Größe noch immer die Ge-
schichte vom ostdeutschen schwarzen Gold. Die Abraumförderbrücke 18
ist das Residuum einer langen Bergbau- und Industriegeschichte im
Leipziger Südraum. Der Beginn des Braunkohlebergbaus in der Region
Leipzig/Altenburg reicht immerhin bis in das Jahr 1671 zurück. Um an die
wertvollen Kohleflöze zu gelangen, muss der darüber liegende Abraum
abgetragen und wegtransportiert werden. Das geschah anfangs mit
Loren, später mit Waggons oder über Transportbänder. Einen entschei-
denden Fortschritt brachte Anfang dieses Jahrhunderts der Einsatz von
Abraumförderbrücken. Der über den Kohleflözen liegende Abraum wurde
mit Baggern aufgenommen, über Transportbänder der Förderbrücke
über den Tagebau hinwegbefördert und auf den Rand-Kippen abgeschüt-
tet. Die freigelegte Kohle konnte auf diese Weise auch über Tage ab-
gebaut werden, was die Menge und Produktivität enorm steigerte. Als
erster Tagebau im Leipziger Südraum gilt der Tagebau Böhlen (später
Zwenkau), der 1921 aufgeschlossen wurde. 1930 nahm die Abraumförder-
brücke Böhlen I ihre Arbeit auf. Ein Unwetter ließ das Großgerät 1937
allerdings einstürzen. Aber nach nur 17monatiger Montage ging im Juli
1939 die damals weltgrößte Abraumförderbrücke Böhlen II ? die AFB 18
in Betrieb. Fast 800 Mio. qm Abraum bewegte die Brücke während ihrer
Betriebszeit. Die Orte Bösdorf und Eythra mussten in den 80er Jahren
dem Kohleabbau weichen. Am 31. Dezember 1998 fuhr die AFB 18 ihre
letzte Schicht. Im Zuge der Tagebausanierung soll die weltweit älteste
und größte erhaltene Förderbrücke im Jahr 2001 gesprengt werden.
Flutung und Wiederaufforstung werden das Gebiet renaturieren.
Zahlreiche Angebote für Touristen und Einheimische machen so Ent-
spannung und Erholung im Leipziger Südraum künftig wieder möglich.
Für einen Abend rückt KunstRäume Leipzig e.V. im Gespann mit der
Künstlergruppe solitaire FACTORY und dem Leipziger Tanztheater die
Braunkohle-Abraumförderbrücke 18 sowie die Geschichte der Tage-
baulandschaft und ihrer Menschen mit einer einmaligen Inszenierung in
den Mittelpunkt der überregionalen und Leipziger Aufmerksamkeit. Den
zehn Mitgliedern von KunstRäume Leipzig e.V. wünsche ich weiterhin
solch zündende Ideen und das nötige Engagement für deren Umsetzung."

Walter Christian Steinbach
Regierungspräsident und Schirmherr der Veranstaltung


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Im September 2000 präsentierte KunstRäume:
Abraumbrücke 18

Schon wenige Monate nach dem ersten KunstRäume-Projekt "Pax im Gasometer" stand die Idee für das nächste, das parallel konzipiert und organisiert wurde: "Abraumbrücke 18". Es entstand in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe solitaire FACTORY und dem Leipziger Tanztheater.

Im Zentrum der Auseinandersetzung mit diesem Industriedenkmal stand weniger die damals umstrittene und am 25.November 2000 realisierte Sprengung der Abraumförderbrücke im Tagebau Zwenkau, sondern vielmehr die Besonderheit und fesselnde Wirkung der Förderbrücke und der mit ihr arbeitenden und lebenden Menschen. "Wiedergutmachung durch Arbeit" hieß der spezifisch für dieses Ereignis gedrehte Film, der sich wirkungsvoll und mit überzeugender Kraft sequenziell mit dem Maschinentanz des Tanztheaters in Fließbandästhetik abwechselte.


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Der Hintergrund

Der Leipziger Süden ist in unserem Jahrhundert von Braunkohleabbau und -verarbeitung landschaftlich wie architektonisch geprägt worden. Die Geschichte hinterlässt ein Erbe an teils bizarren Industriedenkmälern und -landschaften, deren unumkehrbare Folgen einen respektvollen Umgang erfordern.

Die Veranstaltung unter dem Namen Abraumbrücke 18 hat auf die Besonderheit der Förderbrücke im Tagebau Zwenkau und deren ambivalente Faszination aufmerksam gemacht.

Ausgangspunkt bildete dabei der Film "Wiedergutmachung durch Arbeit" solitaire FACTORY. Er thematisiert die Historie der Tagebaulandschaft und ihrer Menschen: Verherrlichung von Arbeit, Trauerarbeit über die Zerstörung und den kläglichen Versuch einer Wiedergutmachung, welcher schließlich den Anfang neuer Maßlosigkeit markiert.

Tanz und Lichtinstallation, unterlegt von Geräuschen und Klängen, die diesem Ort entnommen zu sein schienen, ergaben die anderen Bausteine, die zusammen, das Ereignis zu einem "Ein-Abend-Mahnmal" werden ließen.


Die Akteure

&bull solitaire FACTORY verstehen sich als Spieler mit verschiedensten Formen, welche sie jeweils kontextbezogen für ihre einzelnen Projekte verwenden. Ihre Arbeiten sind häufig von politischen Inhalten bestimmt.
&bull Das Leipziger Tanztheater gründete sich 1967 in der damaligen DDR und ist das größte und älteste Tanztheater Deutschlands.


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Das Storyboard

I. vor Beginn: außer Weg und Tribüne ist nichts beleuchtet
Ton: dumpfe, nervende, sich wiederholende Loops, Lautstärke steigt ständig leicht an.

II. Einleitung - Film Teil 1, Nazi-Wochenschau-Ästhetik
Sprecher mit schneidender Stimme, ein Statist bringt einem anderen nahe der Projektionsfläche eine Fahne mit Bergbau-Symbol (gekreuzte Hämmer), die Fahne wird sehr langsam gehisst.
Leere Tanzbühne.

III. Tanz - Inhalt: gesellschaftliche Ebene, nimmt zunächst die Ästhetik des 1. Filmteils auf (Aufbruchstimmung, Euphorie), Ruhephasen, sich einstellende Routine (unterbrochen von expressiven Aktionen, am Ende Monotonie), geht nahtlos in Teil IV über.

IV. Qual, Film Teil - (eintönige Bilder, harter Kontrast zu den anderen, aggressiveren Teilen)
Sprecher, Musik: Tschaikowski
Tanz: monoton, sehr minimalistisch.

V. Tanz, Inhalt: persönliche Befindlichkeiten mit allen Facetten, am Ende Lethargie, Endzeitstimmung als starres Bild (z. B. liegende Tänzer).

VI. Überraschung - Film Teil 3 (scheinbar optimistische Grundstimmung)
Ton: Flüstern, im Hintergrund leise Fanfarenklänge
Tanz: wie am Ende von Teil V, wenig Bewegung
Der Film schließt scheinbar den Kreis, die Kohle wird zurück in den Tagebau gebracht
Am Ende: Licht und Musik aus
Kurze Ruhepause

VII. Neben der noch gehissten Bergbau-Fahne betätigt ein Statist leicht beleuchtet eine Sirene. Gleichzeitig wird die Tribüne sowohl von unten als auch von außen in grelles Licht getaucht.

VIII. In das ausklingende Sirenengeräusch mischen sich laut die Klänge des «wieder anlaufenden» Baggers; der Bagger wird illuminiert, danach die Förderbrücke. Das Publikum wird durch die Beleuchtung der Tribüne und des Wegs auf das Ende der Performance aufmerksam gemacht.


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Die Resonanz / Presse

• Mitteldeutsche Zeitung, 11. September 2000

Tagebau Zwenkau
Tarnanzüge tanzen im alten Kohleloch
Leipzig inszeniert die »Abraumbrücke 18«
von Tilo Arnhold

Zwenkau/MZ. Schwarz, groß, unheimlich. Über einen halben Kilometer lang ist das Ungeheuer. Einst hat es Landschaften und Dörfer verschlungen. Heute liegt es starr da. Die Abraumförderbrücke Zwenkau, rund 20 Kilometer südlich von Leipzig, hat ein halbes Jahrhundert das Gesicht einer Region geprägt. Am Samstagabend erwacht das Monster vor mehreren hundert Zuschauern wieder. Organisiert hat diese Wiedergeburt der Leipziger Verein KunstRäume. »Wir wollen aufmerksam machen und eine Diskussion über die Zukunft des Denkmals entfachen«, so Projektleiterin Gabriele Weis.
Erhaltung oder Sprengung - diese Frage wird zur Zeit heftig diskutiert. Das Industriedenkmal steht symbolisch für die Braunkohlenindustrie der letzten Jahrzehnte und die Opfer, die den Menschen im Kohlerevier abverlangt wurden. Unterstützt wird die aufsehenerregende Aktion vom Leipziger Tanztheater. Leiterin Joanna Huttunen schuf eigens nur für diesen Abend und diese Kulisse eine Inszenierung. Hier lässt sie ihre Tänzer in armeegrünen Tarnanzügen auftreten ? eine apokalyptische Szene. Kettenbaggerartig und ferngesteuert bewegen sich die Akteure vor dem dunklen Schatten der Förderbrücke. Zuckungen im 50-Hertz-Rhythmus des Braunkohlestroms. Unwirklich und trotzdem real. Szenen aus einem Dokumentarfilm mischen sich mit Auftritten des Tanztheaters, Lichteffekten und Laufbandgeräuschen der Förderbrücke zu einer eigenwilligen Collage.
Fast ein halbes Jahrhundert hat sich das Ungeheuer von Zwenkau durch die Landschaft gefressen. Mit der Landschaft verschwanden auch zwei Dörfer. Sie fielen der Kohle zum Opfer. Kohle, die zehntausenden Menschen einst Arbeit gab und zugleich ihre Heimat vernichtete. Eineinhalb mal so lang wie der Eiffelturm hoch ist das Ungeheuer. Bei ihrer Inbetriebnahme in den dreißiger Jahren war die Förderbrücke die größte auf der Welt. Heute ist sie noch die größte in Europa. Dem Denkmal droht trotzdem der Schrottplatz.
Mit dem Ende des Bergbaus bei Zwenkau steigt das Grundwasser. In wenigen Jahren soll aus dem Erdloch ein Badesee werden. Und der soll »besenrein« übergeben werden. Alles muss raus, so sieht es das Gesetz vor. Ende September soll sich das Schicksal des Industriegiganten entscheiden. Ohne Betreiberkonzept droht die Sprengung.


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• dpa, 08. September 2000

Leipzig (dpa/sn) - Europas größte Förderbrücke im Tagebau Zwenkau bei Leipzig wird am Samstagabend für wenige Stunden zur Theaterbühne. Mit der Inszenierung »Abraumbrücke 18« des Leipziger Tanztheaters vor der Tagebaukulisse will der Verein Kunsträume nach eigenen Angaben vom Freitag die Diskussion um Sprengung oder Erhaltung des Industriedenkmals neu entfachen. Mit einer Collage aus Film-, Licht- und Klangeffekten wollen die Künstler die Anlage ein letztes Mal in ihrer ganzen Dramatik zum Leben erwecken.
Die Organisatoren hoffen auf rund 2000 Zuschauer. Die opernhafte Inszenierung ist mit Ausschnitten des Films »Wiedergutmachung durch Arbeit« gemixt, der die Geschichte der Tagebaulandschaft im Mitteldeutschen Braunkohlerevier thematisiert. Die 5623 Meter lange und 7000 Tonnen schwere Abraumbrücke 18 ist europaweit die größte und weltweit die älteste noch erhaltene Anlage ihrer Art. Von 1939 bis 1998 wurden mit ihr fast 800 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt. Seit der Schließung des Tagebaus ist ihre Zukunft ungewiss, verschiedene Nutzungskonzepte werden derzeit diskutiert. Im Oktober will die für die Rekultivierung des Tagebaus verantwortliche Gesellschaft entscheiden. Existiert bis dahin kein fundiertes Konzept, könnte die Abraumbrücke im Frühjahr 2001 gesprengt werden, bevor das Tagebauloch geflutet wird.
dpa/sn yysn sb/gj


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• Kreuzer - Die Leipziger Illustrierte, Heft 9/2000

Monster mit zwei Gesichtern

Zum Kunst-Raum für Tanz, Film und Lichtinstallation wird die Zwenkauer Abraumförderbrücke 18, Symbol der Naturvernichtung im Leipziger Südraum. Der Verein »KunstRäume« beleuchtet die Ambivalenz von Arbeit und Zerstörung.
Ein umgestürzter Eiffelturm. Das Skelett eines Schiffes. Eine filigrane Eisenbahnbrücke. Dahinter die Kräne des Hamburger Hafens. Plötzlich blüht die Fantasie mitten im öden Leipziger Südraum. Die »Abraumförderbrücke« von Zwenkau ist eine eigenartige Schönheit. Majestätisch mit ihren 523 Metern Länge, reglos wie ein Monster im Verdauungsschlaf nach dem großen Fraß. Vertilgt hat die AFB 18 (so die offizielle Abkürzung) Waldflächen auf 32 Quadratkilometern. Auch das Dorf Eythra musste dem Tagebau weichen. Seit 1939 wurden in Zwenkau 565 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Erst vor knapp zwei Jahren war Schluß. Die Abraumförderbrücke, ein 7.000 Tonnen schweres Symbol rücksichtsloser Naturzerstörung, steht vor einer ungewissen Zukunft. Möglicherweise wird sie im Frühjahr 2001 gesprengt. Viele Leute aus der Gegend würde das nicht traurig machen. Die AFB ist ein Hassobjekt im Land der Gruben und Halden. Den Leipziger Verein »KunstRäume« jedoch hat die »ambivalente Faszination« des Stahlmonsters magnetisch angezogen. Nach Klingerbrücke (Beleuchtung) und Gasometer (Ballettabend) ist der Zwenkauer Koloss der dritte »Kunst-Raum«, dem die 1999 gegründete Gruppe Leben einhauchen will. Das »Ein-Abend-Mahnmal« am 9. September wird aus Tanztheater, einem Dokumentarfilm, einer Lichtinstallation und ortstypischen Geräuschspuren geformt. Dabei geht es nicht um unkritisches Spektakel vor metallisch-morbider Kulisse, sondern um die Auseinandersetzung mit den Widersprüchen des Fortschritts. Der Tagebau gab Arbeit, doch er raubte Natur und Heimat; die Braunkohle war leicht ans Licht zu holen, aber vorher musste die Landschaft umgepflügt, der »Abraum« über der Kohle weggebaggert werden. Machbarkeitswahn gegen Balancegefühl, Planziffern gegen Trauerarbeit. Diesen Konflikt in den beteiligten Menschen aufzuspüren - das ist das Ziel der einmaligen Veranstaltung »Abraumbrücke 18«. Die vielfältige »Bespielung« ist ein Erinnerungszeichen, richtet den Blick auf das in Mitteldeutschland einzigartige Industriedenkmal. Gunnar Volkmann, Architekt und Sprecher des KunstRäume e.V. erzählt von der Sprengung der benachbarten Abraumbrücke in Espenhain 1997. »Das hat uns sehr beeindruckt, in allen Facetten. Man gewann den Eindruck, dass etwas abgestoßen wird, dass der Tagebau aus dem Gedächtnis getilgt werden soll.« Die Fortsetzung der Flurbereinigung droht mit dem Verlust der Zwenkauer AFB, die die längste ihrer Art in Europa ist (Regierungspräsidium und Fördergesellschaft entscheiden im September über die Sprengung). Das Leipziger Projekt setzt dagegen auf Vergegenwärtigung am unverwechselbaren Ort. Ausgangspunkt ist der Film »Wiedergutmachung durch Arbeit« der Künstlergruppe solitaire FACTORY, der die Historie der Tagebaulandschaft thematisiert. Zum Teil in das Leinwandgeschehen verwoben, erfindet das Leipziger Tanztheater am Fuße der Brücke seine eigenen Bilder - nicht in der Höhe, weil die Absturzgefahr auf brüchigem Stahl zu groß wäre. Das Publikum ist nah an der Aktion, schaut durch die Bühne in die Tiefe des Raumes, die Brücke entlang. Clou des Abends könnte die komplette Illumination eines Transport-Arms werden. Und: »Das übliche Feuerwerk zum Abschluss wird es nicht geben«, verspricht Gunnar Volkmann. Was die Künstler mit dem bizarren Gebilde »Abraumförderbrücke« anfangen, wird spannend zu erleben sein. Vielleicht ist die Verblüffung dann ebenso groß wie im Juni, als Uwe Scholz? Ballett den stillgelegten Gasometer an der Richard-Lehmann-Straße beseelte.
Sven Krefeld
* 09. September, 21 Uhr, Abraumförderbrücke 18, an der B 186
Zwenkau - Markranstädt (ca. 20 km südlich von Leipzig), ab 19.30
Uhr fahren Shuttlebusse vom Connewitzer Kreuz


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• Leipziger Volkszeitung 16. August 2000

In Vorbereitung: Multimediales Spektakel auf Zwenkaus Abraumbrücke
"Horizontaler Eiffelturm" wird für einen Abend Kunststätte für Dokfilm und Tanz

Tiefe Krater und verdorrte Erde bis zum Horizont. Eine Mondlandschaft, über der sich ein verästelter Stahl-Gigant tonnenschwer und doch filigran erhebt: Der stillgelegte Tagebau Zwenkau mit seiner Förderbrücke aus dem Jahr 1939. Eine imposante Kulisse. Davor wird sich am 09. September eine außergewöhnliche Schau begeben. In Zusammenarbeit mit dem Leipziger Tanztheater und der Künstlergruppe solitaire FACTORY veranstaltet an diesem Abend der Verein KunstRäume das Kulturspektakel "Abraumbrücke 18".

Nach den Ballettabenden "Pax im Gasometer" nun erneut ein Industrieraum, der Künstler zur Gestaltung anregt: "Es soll eine multimediale Inszenierung aus Film, Tanz und Lichtinstallation werden, unterlegt mit Geräuschen und Klängen", so KunstRäume Sprecher und Architekt Gunnar Volkmann. "Ein Meditieren über die Tagebau-Historie und damit verbundener Menschen-Geschichten."

Direkt vor dem "horizontalen Eiffelturm" wird zwischen zwei riesigen Baggerarmen eine Leinwand und davor eine Bühne errichtet. Rund 2000 Zuschauer können ab 21 Uhr die einmalige Show beobachten. Der Film "Wiedergutmachung durch Arbeit" von solitaire FACTORY dokumentiert am Beispiel von Industrie und Maschine sowie durch das persönliche Schicksal eines fiktiven Arbeiters die Schönheit und Schwierigkeit von Arbeit, die damit einhergehende Zerstörung der Natur und den Versuch der Wiedergutmachung. Das Leipziger Tanztheater unter Leitung und Choreographie von Jonna Huttunen greift die Thematik auf, zeigt die persönlichen Befindlichkeiten der Arbeiter, ihre Träume, Gefühle, Hoffnungen. Eine Korrespondenz aus Bildern und Bewegungskunst.

Nach der Vorführung strahlt die Förderbrücke, illuminiert durch Lichtinstallationen, für zwei Stunden in den nächtlichen Himmel. Die Zuschauer können auf einer Anhöhe am Rand des Tagebaus bei Häppchen und Sekt das leuchtende Schauspiel beobachten.

Die Zwenkauer Brücke wird so für einen Abend zum Mahnmal mitteldeutscher Industrie- und Landschaftsgeschichte werden, bevor sie selbst nur noch Geschichte ist: Die mit 523 Metern größte und älteste Tagebaubrücke Deutschlands soll im nächsten Frühjahr gesprengt werden. Denn bisher konnte kein Investor für deren Erhalt gewonnen werden; die Kosten dafür werden auf 50 bis 80 Millionen Mark geschätzt. Volkmann: "Durch diesen Umstand erhält unser Projekt zusätzliche Brisanz. Wir wollen die aktuelle Diskussion um Sprengung oder Erhalt anregen. Immerhin ist das imposante Bauwerk ein markantes Symbol für die wechselvolle Geschichte des Südraums und die mannigfachen Schicksale seiner Menschen."

Anne-Kathrin Peitz


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